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Mädchen stützt bei den Hausaufgaben erschöpft den Kopf in die Hand

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Tatort – Hausübungssituation

Bei vielen Kindern ist das Erledigen von Hausaufgaben seit jeher eine Qual. Ständig gibt es Diskussionen, Streitereien, Machtkämpfe… Schließlich werden es mehrere Stunden bis die Hausübung erledigt ist und das Kind und die Eltern schließlich am Ende ihrer Nerven sind…

Aus ergotherapeutischer Sicht kann hinter dem Ganzen stecken, dass das Kind inhaltliche Schwierigkeiten hat, es also Lernschwierigkeiten hat im Bereich Lesen, Rechnen, Schreiben.

Oder es können Schwierigkeiten der exekutiven Funktionen die Verursacher sein. Natürlich kann es auch ein Mix aus beiden sein. Bevor ich genauer auf die HÜ Situation eingehe, erkläre ich kurz, was die Exekutiven Funktionen sind:

Unter den Exekutiven Funktionen (EF) versteht man höhere kognitive Kontrollprozesse und werden dann benötigt, wenn automatisierte Reaktionen zur Aufgabenausführungen nicht mehr ausreichen. Einfaches Beispiel aus dem Alltag: Ich verpasse den letzten Bus und muss den Zug nehmen. Nun muss mich neu anpassen und überlegen und entsprechend handeln. Ich muss mir einen neuen Plan machen und diesen dann umsetzen. Dazu benötige ich kognitive Flexibilität, welcher ein Teilbereich des EF’s ist.

Vor allem in Bezug auf Schule wird den EF’s eine gewichtige Rolle zugewiesen, da exekutive Funktionen eine größere Bedeutung für den Schulerfolg zu haben scheinen als die kognitive Intelligenz. Man benötigt exekutive Funktionen um ein definiertes und geplantes Ziel zu erreichen und dabei hindernde Verhaltensweisen zu unterdrücken. Viele Kinder haben diesbezüglich Schwierigkeiten. In der Ergotherapie ist dies sehr häufig Thema.

In Bezug auf die Hausübungssituation kann sich das Folgendermaßen äußern: (Es muss nicht alles zutreffen)

  • Das Kind vergisst immer wieder Materialien die es für die Hausübung braucht
  • Die Schultasche ist ein Durcheinander, es ist ein richtiges Chaos
  • Das Kind hat enorme Motivationsprobleme (muss nicht sein)
  • Frustrationstoleranz kann gering sein
  • Impulskontrolle ist durch eine mangelnde Hemmung beeinträchtigt – es stört im Unterricht, hat Schwierigkeiten diszipliniert zu arbeiten, weil es schnell „Versuchungen“ verfällt (Handy, äußere Ablenker) oder auch interne Ablenker machen ihm zu schaffen: das Kind hat dysfunktionelle Gedanken wie „das schaffe ich sowieso nicht“. Es kann also diese Gedanken nicht hemmen und kontrollieren. Es ist zwischen Lust und Unlust hin und hergerissen.
  • Das Kind tut sich schwer dranzubleiben, will schnell aufgeben
  • Weiß nicht wo und wie es beginnen soll (hat keinen Plan und Struktur). „Es sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht“
  • Macht immer wieder die gleichen Fehler (es perseveriert). Es kann zum Beispiel eine erlernte Grammatikregel nicht anwenden, weil es ein mangelhaftes strategisches Denken hat
  • Hat Schwierigkeiten mit der Veränderung von Routinen – ist nicht flexibel genug um sie neu anzupassen.
  • Schwierigkeiten mit Textaufgaben und dem Leseverständnis.
  • Probleme mit dem Arbeitsgedächtnis: z.B. Schwierigkeiten mit dem Kopfrechnen
  • Bei Ansagen viele Fehler
  • Schwierigkeiten mit der Kontrolle – eigene Fehler finden ist problematisch

Über dem Ganzen steht eine mangelnde Aufmerksamkeit. AD(H)S kann dahinter stecken, muss aber nicht zwingend sein. Allerdings haben Kinder, die ein diagnostiziertes ADHS haben immer Schwierigkeiten mit den Exekutiven Funktionen, weil es miteinander gekoppelt ist.

Entweder ist das Kind sehr schnell ablenkbar oder ein Träumer und verliert sich selbst.

Wenn dir das bei deinem Kind auffällt empfehle ich dir, das Ganze abzuklären und entsprechende Hilfe zu suchen. Ergotherapeut*innen arbeiten dann gemeinsam an den oben genannten Problematiken. Wenn das Kind reine Lernschwierigkeiten hat, kann sich die Situation ebenfalls erheblich verbessern.

Strategische Spiele eignen sich besonders gut, um spielerisch die exekutiven Funktionen zu verbessern. Dazu zählt Rush Hour, Verrücktes Labyrinth, alle Fex Spiele (zum Beispiel die Schusselhexe von HABA), Mastermind oder Schach.

Inhaltsverzeichnis
  1. Warum dauert die Hausübung so lange?
  2. Was Eltern bei den Hausaufgaben konkret tun können
  3. Wann ist Ergotherapie sinnvoll?
  4. Weiterlesen und praktische Hilfen

Warum dauert die Hausübung so lange?

Wenn Hausaufgaben jeden Tag in Streit enden, liegt das selten an fehlender Lust oder Wille. Meist fehlt dem Kind eine Fähigkeit, die für das Erledigen von Aufgaben nötig ist: anfangen, dranbleiben, Ablenkung ausblenden, Schritte planen, Fehler selbst finden. Je mehr davon schwerfällt, desto länger wird jede Aufgabe – und desto gereizter werden Kind und Eltern.

Was Eltern bei den Hausaufgaben konkret tun können

  • Feste Zeit und fester Platz: Die Hausübung findet jeden Tag zur gleichen Zeit am gleichen, aufgeräumten Arbeitsplatz statt. Das spart Diskussionen.
  • Erst Pause, dann Hausübung: Nach der Schule braucht das Gehirn Erholung und Bewegung, bevor wieder konzentriert gearbeitet wird.
  • Ablenker wegräumen: Handy, Spielzeug und Fernseher sind während der Hausübung nicht im Raum.
  • In kleine Schritte teilen: Gemeinsam mit dem Kind aufschreiben, was zu tun ist, und Erledigtes abhaken. So sieht das Kind, wo es anfangen soll und wie weit es schon ist.
  • Zeit sichtbar machen: Mit einer Sanduhr oder einem Timer arbeiten, danach gibt es eine kurze Pause.
  • Fehler zusammen suchen: Das Kind lernt, die eigene Arbeit zu kontrollieren, wenn du Fragen stellst, statt sofort zu verbessern.
  • Anstrengung loben: Lob für Dranbleiben und Strategien stärkt die Motivation mehr als Lob für das Ergebnis.

Wann ist Ergotherapie sinnvoll?

Wenn die Hausaufgaben trotz klarer Struktur dauerhaft zur Belastung werden, das Kind Aufgaben oft nicht beginnt oder vergisst, schnell aufgibt oder sehr ablenkbar ist, lohnt sich eine Abklärung. Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten trainieren gemeinsam mit dem Kind die Fähigkeiten, die dahinterstehen – und beraten Eltern, wie sie zuhause unterstützen können.

Weiterlesen und praktische Hilfen

Außerdem interessant: Was tun, wenn das Kind so chaotisch ist? Aufräumen Plan und Checkliste · Exekutive Funktionen: Aufmerksamkeit und Sozialverhalten bei Kindern

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