
28. April 2021
Ergotherapie · Erwachsene · Handtherapie · Kinder-Therapie · Mentale Gesundheit · Neurologie · Prävention
Ergotherapie – ein vielfältiger Beruf
Wie du auf meiner Homepage festgestellt hast, sind meine Schwerpunkte als Ergotherapeutin neben Erwachsene auch Schulkinder, welche Aufmerksamkeitsprobleme, Schwierigkeiten mit dem Schreiben und der Feinmotorik sowie der Koordination haben. Ich begleite in der Therapie auch immer wieder Kinder, die eine schwache Muskelspannung haben.
Hat die Muskulatur zu wenig Spannung und wirkt das Kind eher „schlaff“, lungert bei der Hausübung mit Rundrücken und muss den Kopf viel abstützen, wirkt sich das auf die Stifthaltung aus. Ebenso auf die Aufmerksamkeit. Denn nur ein waches Gehirn, wo das Kind den Körper gut spürt, kann auch entsprechend konzentriert arbeiten.
Ergotherapie ist also sehr vielfältig und weitgefächert. Der Grundgedanke, nämlich möglichst selbstständig zu handeln, durchzieht allerdings alle Fachbereiche und Altersgruppen.
Ergotherapie geht davon aus, dass bedeutungsvolle Handlungen eine gesundheitsfördernde und therapeutische Wirkung haben, da jeder Mensch, egal ob jung oder alt, das Grundbedürfnis besitzt, handlungsfähig zu sein. Eine größtmögliche Selbständigkeit im Alltag zu erreichen, ist das Ziel in der Therapie.
Dies umfasst die Lebensbereiche Selbstversorgung, Produktivität (Arbeit, Schule, Kindergarten), Freizeit und Erholung. Im Mittelpunkt der Therapie stehen die Steigerung der Lebensqualität und die Erweiterung des eigenen Handlungsspielraums.
Ergotherapeut*innen arbeiten mit Menschen aller Altersgruppen, angefangen von Säuglingen bis hin zu betagten Menschen, daher sind sie auch meist auf bestimmte Fachbereiche spezialisiert. Zu den Tätigkeitsfeldern zählen die Orthopädie/Handtherapie, Neurologie, Psychiatrie, Geriatrie, die Pädiatrie (Kinder) und der Bereich Prävention/Ergonomie.
Egal ob ein Klient oder Klientin eine Arthrose im Daumensattelgelenk hat und dadurch Schmerzen beim Greifen, Kochen, Gartenarbeiten hat oder ein Kind, das sich schwer beim Schreiben tut, sich nicht gut spürt und ungeschickt ist. Ein*e Klient*in mit Depression, welcher aufgrund von Antriebslosigkeit keine Alltagsstruktur mehr hat, ist in seinen selbstständigen Handlungen ebenfalls beeinträchtigt wie jemand der einen Schlaganfall hatte und auf viel Hilfe im Alltag angewiesen ist. In allen Fällen ist das Handeln beeinträchtigt.
In der Ergotherapie spielen daher nicht nur die körperlichen Voraussetzungen eine Rolle, die für eine Handlung benötigt werden, sondern auch die psychischen und die sozial- emotionalen Faktoren. Auch diese beeinflussen das Handeln enorm und werden in der Befundung, Zielsetzung und Therapiegestaltung berücksichtigt.
Inhaltsverzeichnis
Wofür ist Ergotherapie zuständig?
Ergotherapie unterstützt Menschen dabei, ihren Alltag wieder selbstständig zu bewältigen – egal ob nach einer Verletzung, bei einer Erkrankung oder weil sich ein Kind in seiner Entwicklung schwerer tut. Das Wort „Ergo“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Handlung“. Im Mittelpunkt steht deshalb nicht die Diagnose, sondern die Frage: Was möchte oder muss dieser Mensch im Alltag können, und was hindert ihn daran?
Typische Alltagshandlungen sind Anziehen, Essen, Schreiben, Kochen, Spielen, Arbeiten oder die Freizeitgestaltung. Wenn eine dieser Handlungen nicht mehr gut gelingt, setzt die Ergotherapie an.
In Österreich zählt die Ergotherapie zu den gehobenen medizinisch-technischen Diensten. Die Ausbildung erfolgt als Bachelorstudium an einer Fachhochschule.
Die Fachbereiche der Ergotherapie im Überblick
Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten arbeiten in sehr unterschiedlichen Bereichen. Viele spezialisieren sich auf einen davon:
- Pädiatrie (Kinder): Unterstützung bei Fein- und Grafomotorik, Schreibenlernen, Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Selbstständigkeit im Alltag und Verhalten in der Schule.
- Orthopädie und Handtherapie: Behandlung nach Brüchen, Operationen oder bei Erkrankungen wie Arthrose oder dem Schnappfinger, damit die Hand wieder alltagstauglich einsetzbar ist.
- Neurologie: Begleitung nach einem Schlaganfall oder bei anderen Erkrankungen des Nervensystems, zum Beispiel beim Wiedererlernen von Alltagshandlungen.
- Psychiatrie und psychische Gesundheit: Hilfe beim Aufbau von Alltagsstruktur, Antrieb und Selbstfürsorge, etwa bei Depression oder Burnout.
- Geriatrie: Erhalt der Selbstständigkeit im Alter, Sturzvorbeugung und Anpassung der Wohnumgebung.
- Prävention und Ergonomie: Beratung zu Haltung, Arbeitsplatz und Belastung, damit Beschwerden gar nicht erst entstehen.
Wie läuft Ergotherapie ab?
Jede Therapie beginnt mit einem Gespräch und einer Befundung: Wo gibt es Schwierigkeiten, was ist dir oder deinem Kind wichtig? Daraus entstehen gemeinsam konkrete Ziele, zum Beispiel „Ich kann wieder allein Knopf und Reißverschluss schließen“ oder „Mein Kind schreibt ohne Verkrampfen“.
In der Therapie wird dann an genau diesen Handlungen gearbeitet – oft spielerisch, mit Material aus dem Alltag und mit Aufgaben, die zuhause weitergeführt werden können. Dabei werden körperliche, psychische und sozial-emotionale Faktoren gleichermaßen berücksichtigt, denn alle drei beeinflussen, ob eine Handlung gelingt.
Für wen ist Ergotherapie sinnvoll?
Ergotherapie ist für Menschen jeden Alters gedacht, vom Baby bis ins hohe Alter. Wenn du dich fragst, ob das auch auf dich oder dein Kind zutrifft, helfen diese Beiträge weiter:
- Ergotherapie – Was ist das?
- Für wen ist Ergotherapie sinnvoll? Ein paar „Hard facts“
- Braucht mein Kind Ergotherapie?
Für den Alltag zuhause und in der Schule findest du im Shop praktische Materialien zum Download und Ausdrucken: Therapiematerialien im Online-Shop.
Außerdem interessant: Schlaganfall: Was ist der „erlernte Nichtgebrauch“ der Hand? · Warum Umfeld und Umwelt für Fortschritte in der Therapie wichtig sind







